Der Soundtrack meines Lebens
Heute auf dem Nachhauseweg dämmerte mir etwas, formte sich und stand dann in seiner ganzen erschreckenden Pracht vor meinem geistigen Auge: ich habe im Moment keine Musik! Also, kein Lied, dass mir aus der Seele spricht, keine Band, die genau weiß, wovon ich spreche und keine Melodie, bei der ich in gewissen Momenten denke: “Das brauch ich jetzt!” Nada. Seit Wochen vertreibe ich mir die Viertelstunde Weg nach Hause mit dem Switchen durchs iPod-Angebot, in der ständigen Hoffnung, auf etwas zu stoßen, was mich berührt, aber zwecklos.
Diese Erkenntnis führte zwangsläufig zu der Frage, welche Lieder denn bisher mein Leben begleitet haben. And finally, I proudly (in fact, most of the time…) present: den Soundtrack meines Lebens, mit allen Höhen, Tiefen und unermesslichen Peinlichkeiten. Unzensiert, ehrlich und stellenweise auch für mich kaum zu ertragen. Enjoy!
(leider funzt die Mobile-Ansicht nicht, daher im normalen Webmodus ansehen)
| 1983: meine erste Kaufcassette | 1986: ich bin reifer geworden | |
| Ein Geschenk von meiner wunderbaren Oma. Eines morgens lag das Musikwunder da, auf dem Treppenabsatz, kommentarlos, und ich war auf einen Schlag cool. Diese Selbstüberschätzung führte so weit, dass ich beim 13. Geburtstag meiner erwachsenen Freundin einen Tanz aufführte – mit seitlichem Pferdeschwanz, versteht sich. Nützt ja nichts, ich war jung und die Kids waren amüsiert. Here we go: Nena – von Dir geträumt |
Ich stelle sehr schnell fest, dass Nena viel zu brav und zu wenig kritisch ist für mich. Diese Erkenntnis verdanke ich meiner zweiten, erwachsenen (dreizehnjährigen) Freundin, die schwarzen Kajal trägt, schwarze Fingernägel und lange Ohrringe (und die meine Eltern etwas kritisch beäugen). Nein, die weiß, was gut ist. Was wirklich gut ist. Einfach die beste Band der Welt: Die Ärzte – ist das alles? |
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| 1988: ich bin zum ersten Mal verliebt |
1988: ich bin nicht mehr verliebt |
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| So. Schon fast erwachsen, verliebe ich mich zum ersten Mal. Ganz klassisch: in den “Betreuer” beim Jugendcamp, der allerdings auch erst 16 und extrem tumb und schüchtern ist. Doch zu dieser Zeit verliebt man sich noch, ohne überhaupt ein Wort miteinander zu reden. In den drei Tagen, in denen wir miteinander gehen, bleiben wir auch dabei. Phil Collins – in the air tonight |
…und verdammt hart drauf! Ich durfte erleben, was ein gebrochenes Herz ist, wie bitter das Leben schmecken kann, wie grenzenlos die Verzweiflung sein kann! Groß genug, um zu Doro Pesch, Metallica und Iron Maiden zu greifen. Ich kann mich kaum entscheiden, was ich hier posten soll… für immer? Nothing else matters? Bleiben wir beim Klassiker (und meiner allerersten Single): Iron Maiden – The Number of the Beast |
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| 1989: die Jugend politisiert sich |
1991: noch immer politisiert… |
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| Zunächst durch mit dem Thema Liebe, konzentriere ich mich nun auf das Elend der Welt. Stehe fassungslos allem gegenüber, was mit Unehrlichkeit und Grausamkeit einhergeht – Kriege, Hungersnöte, Schlägereien, verlogene Politiker, Umweltverschmutzung und Tierquälerei. Das volle Programm. Um meiner Entrüstung Ausdruck zu verleihen, greife ich zu den Jungs, die sagen, wie’s ist: Midnight Oil – Beds are burning |
…und auf den Geschmack der 70er gekommen. Dabei eigentlich auch verliebt in meine beste Freundin, die sich untersteht, eine “Beziehung” einzugehen und für mich keine Zeit mehr hat, dafür für ihren alternativen, pseudointellektuellen Lockenkopffreund, der mich zu guter Letzt auch noch ablehnt. Mir bleibt also nichts weiter übrig, als in Kellern zu sitzen, befremdet die Rollenspieler um mich herum zu betrachten (daran hat sich bis heute nichts geändert) und dieses Lied rauf und runter zu hören: Led Zeppelin – Babe, I’m gonna leave you |
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| 1992: die erste große Liebe |
1994: wieder Single |
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| Und die Zeit der Musik: Killing Joke, Sisters of Mercy, Nirvana, Prong, Beasty Boys… es kann nicht genug Impact geben. Doch ein Lied bleibt, dass mir mein beeindruckend langhaariger, viel, viel älterer erster Freund mit Metal-Kutte und Slayer-Aufnähern näher gebracht hat. Es ist nicht Nektar mit “Magic is a child”, das es auch verdient hätte, hier aufzutauchen. Doch wenn ich ehrlich bin, bleibt einfach nur die gute Kate Bush – Wuthering Heights |
Keine leichte Zeit. Zeig mir einen, der über die erste ernsthafte Beziehung hinwegkommt, ohne einer Chips- und Talkshowsucht zu verfallen. Ich gehöre nicht dazu, mit Sicherheit. Doch zum Glück bleibt mir auch hier die Musik, die genau weiß, wie sie mich aufzufangen hat. Input noch immer von diesem Ersten, doch andere Richtung, mein Lied, meine Musik, ganz allein meine Welt: David Bowie – Life on Mars |
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| 1996: Abitur, ein Trip nach Paris, ein neues Leben |
1996: Studentenwohnhein – Ausnahmezustand! |
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| Meine ehemals beste Freundin ist wieder da und mit ihr der beste Input der Welt! Denn die Gute war eine zeitlang in England und kommt mit Brit Pop zurück. Pulp, Blur, Shed Seven, Supergrass – die ganze Palette. Wir tragen Chucks, fallen auf Brit Pop Events rum und präsentieren stolz den britischen Anti-Tanzstil (keinerlei elegante Bewegung, dafür immer ein Bier und eine Zigarette in der Hand). Erstürmen zu Karneval Paris, sind seltsam verkleidet und damit die Einzigen. Denn ganz Paris hat hierfür nur wenig bis überhaupt nichts übrig. Egal, wir tun, was wir wollen! Oasis – Whatever |
Ich bin im Curt-Sandig-Haus in Mannheim und damit in einem Paralleluniversum gelandet. Es ist nicht in Worte zu fassen, was dort passiert. Doch eine Situation werde ich nie vergessen: Erhat, Dirk, Pit und ich tanzen durchs Erdgeschoss, springen aus dem Fenster (vor dem eine Matraze liegt), tanzen zurück ins Haus, durchs Erdgeschoss, springen aus dem Fenster, tanzen zurück ins Haus… dazu läuft auf Repeat: Apollo 440 – Krupa |
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| 1998: wieder verliebt! |
1998: Am Hadern mit der Menschheit |
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| Und ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Gefühl erwidert wird. Wird es auch, wie sich später herausstellt. Zunächst entscheidet sich der junge Mann jedoch gegen mich und ich muss mit diesem unbefriedigenden Ergebnis klarkommen. Bei unbefriedigenden Ereignissen helfen generell Singer/Songwriter, die nahe am Wahnsinn agieren. Da meine heiße Konstantin Wecker-Phase vorbei ist, spricht mir nun ein anderen Emotionsjunkie aus der Seele: Nick Cave – Do you love me? |
Naja, de facto nur mit etwa 50% der Menschheit, die sich dadurch auszeichnet, männlich zu sein. Der junge Mann hat sich noch immer nicht dazu entschlossen, seinem Herzen zu folgen. Dafür bin ich 10 Tage mit einem zusammen, den ich von der Stelle weg heiraten will, da er die Leidenschaft in Person ist, charmy, schön, mir ein T-Shirt klaut und das Buch zu Fear and Loathing schenkt. Ein Traum! An Tag 10 betrügt er mich zum ersten und letzten Mal. Die Töne werden also etwas rauer… The Inchtabokatables – Die Taube |
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| 1998: massive Gruftphase mit viel Spaß! |
1999: Na also, da isser |
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| Wenn man sich die Zusammenstellung hier ansieht, war es eigentlich nicht zu vermeiden: ich laufe endgültig nur noch mit hohen DocMartens (Gefühltgewicht: 8 kg/St.), hennarotgefärbten Haaren, sehr, sehr, sehr dunkel geschminkten Augen und Nietenhalsband rum. Grau tragen bedeutet Familientreffen oder Vorstellungsgespräch, Blau geht gar nicht. Alles wird schwarz gefärbt und trotzdem hab ich die Zeit meines Lebens. Was mit Sicherheit an den besten Freunden der Welt hängt, die damals da sind. Alle. Cool! Deine Lakaien – Dark Star |
Der junge Mann ist dann doch bei mir und es folgen dreieinhalb Jahre extremer Spaß. Geile Zeit! Er versorgt mich mit allem, was ich im Bereich Filme, Comics und Musik so brauche. Ich bin froh, dass ich ihm auch was nahebringen kann, was er noch nicht kennt (selten!). Wie so üblich aus dem Debut (warum werden so viele nach dem ersten Album mainstreamig und mies??): Blumfeld – Von der Unmöglichkeit, Nein zu sagen, ohne sich umzubringen |
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| 2000: Input, Input, Input… |
2003: Springbreakwochen, Super Mario Cart, Pizza, Punk! |
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| Thomas, Erhat, Ela, Petra, Dani, Rouven, Tanja. And One, Leonard Cohen, Johnny Cash, Sisters of Mercy, Filter, Andrew WK, Queen Adreena, Rocko Schamoni, The The, Gavin Friday, The Crystal Method, Bloodhound Gang, KMFDM, NIN, Slick Idiot, Einstürzende Neubauten, Babybird, Bauhaus, Miss Kittin, Turner, The Notwist, Front 242, Gonzales, Interpol, Ramones, Serge Gainsbourg…
Joy Division – Warsaw |
Ich wohne mit Dani zusammen, wir spielen N64, schauen Friends, unser Kühlschrank ist permanent leer (wenn nicht, lassen wir ihn in weiser Voraussicht zu), die Aktien von Hallo Pizza steigen rasant an und vier Perücken können einen Abend zu einem echten Highlight werden lassen. Das einzige, was wir wirklich nicht tun ist tun, als ob wir erwachsen wären. Me First and the Gimme Gimmes – Hava Nagila |
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| 2004: DJK – Der junge Kollege | …to be continued… | |
| Da die Geschichte mit dem Betreuer im Jugendcamp noch nicht klischeehaft genug war, verliebe ich mich nun in meinen Schüler. Mittlerweile Tutorin für HTML und anderen Nerdkram schnorrt mich ein junger, langhaariger Mann in jeder Pause um eine Zigarette an. Hat ganz schön tolle Augen, ein abgefahrenes Lachen und ein großes Herz. “Verdammt niedlich,” denke ich. Fünf Jahre später sind wir verheiratet. Beatsteaks – Hand In Hand |
Bis dahin ein Meisterwerk, das auf gar keinen Fall fehlen darf, irgendwo bei 1980 einzuordnen ist und mir bis heute eine amtliche Gänsehaut bereitet… und es passt auch einfach verdammt gut zum Thema: John Miles – Music |







