Lieber Osama von Chris Cleave

Chris Cleave: Lieber Osama
Lieber Osama ist das Debüt von Chris Cleave – und ich bin verdammt gespannt, was wir von Chris Cleave noch hören werden. Denn Lieber Osama ist ein unglaubliches Buch. Ich bin gerade fertig geworden und habe einen Kloß im Hals. Allerdings habe ich in den letzten zwei Tagen auch aus vollem Hals gelacht, über die schnoddrige, ehrliche und straighte Art von Mama (ich überlege, ob ihr Name jemals im Roman auftaucht – ich glaube nicht. Sie ist einfach eine Mutter).
Worum geht es? Eine junge Frau verliert ihren Sohn (4 Jahre und 3 Monate alt) und ihren Mann bei einem Terroranschlag. Beim großen Spiel Arsenal gegen Chelsea fliegt das neue Stadion in die Luft. Die junge Frau sieht die Explosion live im Fernsehen, während sie gerade mit einem seltsamen Yuppie fremdgeht. Und sie schreibt einen Brief an Osama bin Laden – über ihr Leben, über den Terror, über Panikattacken, den ganz normalen und oft grausamen Alltag und über ihren Jungen, der immer bei ihr ist.
Dieser Brief, voller Sprachwitz und zugleich in einer drastischen, harten Sprache verfasst, lässt einen von der ersten Seite an nicht mehr los. Und es wäre sicher gut, wenn der Empfänger ihn ganz lesen würde. Und wer jetzt eine Moralkeule, einen erhobenen Zeigefinger, Gutmenschentum und Gefühlsduselei erwartet, ist hier völlig fehl am Platze. Lieber Osama ist wie eine Explosion – verdammt hell, kraftvoll, es zerreißt einen. Und doch kann man Tränen lachen. Wunderbar.

