Ausflug ins Gängeviertel

Im Gängeviertel. Mein Favorit: "Ich fordere Sie auf, ein normales Leben zu führen." Well...

Im Gängeviertel. Mein Favorit: "Ich fordere Sie auf, ein normales Leben zu führen." Well...

Heute haben wir uns mal das Gängeviertel angesehen. Ich bin noch nicht lange genug hier, um erklären zu können, was genau dort abgeht, aber ich gebe Euch mal einige Quellen dazu an die Hand. Zunächst einmal das Manifest “Not In Our Name, Marke Hamburg!”, das meiner Meinung nach schon sehr deutlich macht, welche Grundproblematik hinter dem Gentrifizierungswahn steckt. Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass bei den Verantwortlichen die in diesem Manifest geforderte Intellektualität vorhanden ist, um Verständnis für das Anliegen aufbringen zu können. Wenn man sich mit jemandem über Kunst unterhalt, der Musicals für einen Bestandteil der kulturellen Bildung hält, steht man nunmal auf ziemlich verlorenem Posten. Doch man sollte ja nichts unversucht lassen. Also dann:

Not In Our Name, Marke Hamburg!

Ein Gespenst geht um in Europa, seit der US-Ökonom Richard Florida vorgerechnet hat, dass nur die Städte prosperieren, in denen sich die “kreative Klasse” wohlfühlt. “Cities without gays and rock bands are losing the economic development race”, schreibt Florida. Viele europäische Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedelungsgebiet für diese “kreative Klasse” zu werden. Für Hamburg hat die Konkurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer “Image City” unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: Das Bild von der “pulsierenden

Im Gängeviertel - besondere Einblicke.

Im Gängeviertel - besondere Einblicke.

Metropole”, die “ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur” bietet. Eine stadteigene Marketing-Agentur sorgt dafür, dass dieses Bild als “Marke Hamburg” in die Medien eingespeist wird. Sie überschwemmt die Republik mit Broschüren, in denen aus Hamburg ein widerspruchfreies, sozial befriedetes Fantasialand mit Elbphilharmonie und Table-Dance, Blankenese und Schanze, Agenturleben und Künstlerszene wird. Harley-Days auf dem Kiez, Gay-Paraden in St. Georg, Off-Kunst-Spektakel in der Hafencity, Reeperbahn-Festival, Fanmeilen und Cruising Days: Kaum eine Woche vergeht ohne ein touristisches Megaevent, das “markenstärkende Funktion” übernehmen soll.

Wir sagen: Aua, es tut weh. Hört auf mit dem Scheiß. Wir lassen uns nicht für blöd verkaufen. Liebe Standortpolitiker: Wir weigern uns, über diese Stadt in Marketing- Kategorien zu sprechen. Wir wollen weder dabei helfen, den Kiez als “bunten, frechen, vielseitigen Stadtteil” zu “positionieren”, noch denken wir bei Hamburg an “Wasser, Weltoffenheit, Internationalität”, oder was euch sonst noch an “Erfolgsbausteinen der Marke Hamburg” einfällt. Wir denken an andere Sachen. An über eine Million leerstehender Büroquadratmeter zum Beispiel und daran, dass ihr die Elbe trotzdem immer weiter zubauen lasst mit Premium-Glaszähnen. Wir stellen fest, dass es in der westlichen inneren Stadt kaum mehr ein WG-Zimmer unter 450 Euro gibt, kaum mehr Wohnungen unter10 Euro pro Quadratmeter. Dass sich die Anzahl der Sozialwohnungen in den nächsten zehn Jahren halbieren wird. Dass die armen, die alten und migrantischen Bewohner an den Stadtrand ziehen, weil Hartz IV und eine städtische Wohnungsvergabepolitik dafür sorgen. Wir glauben: Eure “wachsende Stadt” ist in Wahrheit die segregierte Stadt, wie im 19. Jahrhundert:  (…) Den kompletten Text findet Ihr hier. Hier könnt Ihr auch gleich Eure Unterstützung kundtun, indem Ihr unterzeichnet.
Weitere Infos zum Gängeviertel findet Ihr hier und bei Facebook.

Doch zurück zur aktuellen Ausstellung: verdammt geile Bilder da! Ich habe mich extrem an das Saarbrücker Silo und die Kunstszene dort erinnert gefühlt. Meine Favoriten:

Corina Ernst

Corina Ernst

Corina Ernst

Corina Ernst

Michael Heering

Michael Heering

Michael Heering

Michael Heering

1 Comment

BaileeMärz 10th, 2011 at 07:10

Gangeviertel.. Awful :)

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