Das erste Mal: Feierabend-Jogging

Heute wurde eine Idee in die Tat umgesetzt, die auf den ersten Blick wie ein ausgesprochen idiotischer Plan klingt: das Feierabend-Jogging. Ich habe keine Ahnung, ob es das tatsächlich gibt. Wahrscheinlich betreiben das die Japaner neben Powernapping und Dachterassen-Yoga bereits seit Jahren. Für mich war es allerdings heute das erste Mal. Und ich muss sagen: es war eine verdammt gute Idee!

Wovon ich überhaupt rede? Nun, nachdem mein Terminkalender mir beim Kung Fu leider einen Strich durch die Rechnung macht, komme ich überhaupt nicht mehr dazu, Sport zu machen. Halt, nicht ganz ehrlich! Eigentlich ist es gar nicht nur mein Terminkalender, sondern eher doch der innere Schweinehund, der dann aufblüht, wenn man nach Hause kommt, sich hinsetzt und durchatmet. Plötzlich ist die Vorstellung, noch einmal das Haus zu verlassen, um sich sportlich zu betätigen, derart absurd, dass man doch lieber zum Bierchen und der Fernbedienung greift. Na gut, in meinem Fall eher: sich vor das Macbook setzt und weiter im Netz bleibt, wo man schon den ganzen Tag war… aber ich schweife ab.

Auf jeden Fall dachte ich mir, dass man den inneren Schweinehund einfach gar nicht so weit kommen lassen darf. Und wie geht das? Man kommt erst gar nicht nach Hause, sondern läuft nach Hause. Was man dafür braucht: natürlich zunächst einen Arbeitsplatz, der nicht gerade 30 km entfernt liegt. Zum Anderen einen Rucksack, in den man die Klamotten vom Tag stecken kann und in dem man morgens seine Joggingausrüstung verstauen kann. Wichtig hier: das Ding muss extrem fest sitzen, beim Joggen darf überhaupt nichts locker sitzen, reiben, sich bewegen etc. Gute Musik auf die Ohren… das ist natürlich Geschmackssache. Ich brauche zum Joggen etwas, das mich antreibt. Will sagen: Stromgitarren, emotional erhitzte Männerstimmen und Elektrobeats. Crossover, Metal, Whatever, von Judgement Night über Clawfinger über Disturbed über Fear Factory über the Prodigy über Synapsengeflimmer, das ist eigentlich selbst nicht kenne.

Und wie gesagt: es funktioniert! Es hat Spass gemacht, tat gut, war das ideale Auspowern zum Feierabend und man hat sich endlich mal wieder bewegt! Meine Strecke ist auch eher gemütlich und laut Google Maps nur 3.3 km lang. Wobei: ich verlaufe mich ständig und überall, insbesondere noch in Hamburg, also schätze ich, dass ich eher 4 km gelaufen bin. Nicht viel, aber besser als nix.

Der weitere Plan: das zweimal die Woche durchziehen. In wie weit Plan und Realität kompatibel sind, werde ich berichten…

Ausflug ins Gängeviertel

Im Gängeviertel. Mein Favorit: "Ich fordere Sie auf, ein normales Leben zu führen." Well...

Im Gängeviertel. Mein Favorit: "Ich fordere Sie auf, ein normales Leben zu führen." Well...

Heute haben wir uns mal das Gängeviertel angesehen. Ich bin noch nicht lange genug hier, um erklären zu können, was genau dort abgeht, aber ich gebe Euch mal einige Quellen dazu an die Hand. Zunächst einmal das Manifest “Not In Our Name, Marke Hamburg!”, das meiner Meinung nach schon sehr deutlich macht, welche Grundproblematik hinter dem Gentrifizierungswahn steckt. Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass bei den Verantwortlichen die in diesem Manifest geforderte Intellektualität vorhanden ist, um Verständnis für das Anliegen aufbringen zu können. Wenn man sich mit jemandem über Kunst unterhalt, der Musicals für einen Bestandteil der kulturellen Bildung hält, steht man nunmal auf ziemlich verlorenem Posten. Doch man sollte ja nichts unversucht lassen. Also dann:

Not In Our Name, Marke Hamburg!

Ein Gespenst geht um in Europa, seit der US-Ökonom Richard Florida vorgerechnet hat, dass nur die Städte prosperieren, in denen sich die “kreative Klasse” wohlfühlt. “Cities without gays and rock bands are losing the economic development race”, schreibt Florida. Viele europäische Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedelungsgebiet für diese “kreative Klasse” zu werden. Für Hamburg hat die Konkurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer “Image City” unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: Das Bild von der “pulsierenden

Im Gängeviertel - besondere Einblicke.

Im Gängeviertel - besondere Einblicke.

Metropole”, die “ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur” bietet. Eine stadteigene Marketing-Agentur sorgt dafür, dass dieses Bild als “Marke Hamburg” in die Medien eingespeist wird. Sie überschwemmt die Republik mit Broschüren, in denen aus Hamburg ein widerspruchfreies, sozial befriedetes Fantasialand mit Elbphilharmonie und Table-Dance, Blankenese und Schanze, Agenturleben und Künstlerszene wird. Harley-Days auf dem Kiez, Gay-Paraden in St. Georg, Off-Kunst-Spektakel in der Hafencity, Reeperbahn-Festival, Fanmeilen und Cruising Days: Kaum eine Woche vergeht ohne ein touristisches Megaevent, das “markenstärkende Funktion” übernehmen soll.

Wir sagen: Aua, es tut weh. Hört auf mit dem Scheiß. Wir lassen uns nicht für blöd verkaufen. Liebe Standortpolitiker: Wir weigern uns, über diese Stadt in Marketing- Kategorien zu sprechen. Wir wollen weder dabei helfen, den Kiez als “bunten, frechen, vielseitigen Stadtteil” zu “positionieren”, noch denken wir bei Hamburg an “Wasser, Weltoffenheit, Internationalität”, oder was euch sonst noch an “Erfolgsbausteinen der Marke Hamburg” einfällt. Wir denken an andere Sachen. An über eine Million leerstehender Büroquadratmeter zum Beispiel und daran, dass ihr die Elbe trotzdem immer weiter zubauen lasst mit Premium-Glaszähnen. Wir stellen fest, dass es in der westlichen inneren Stadt kaum mehr ein WG-Zimmer unter 450 Euro gibt, kaum mehr Wohnungen unter10 Euro pro Quadratmeter. Dass sich die Anzahl der Sozialwohnungen in den nächsten zehn Jahren halbieren wird. Dass die armen, die alten und migrantischen Bewohner an den Stadtrand ziehen, weil Hartz IV und eine städtische Wohnungsvergabepolitik dafür sorgen. Wir glauben: Eure “wachsende Stadt” ist in Wahrheit die segregierte Stadt, wie im 19. Jahrhundert:  (…) Den kompletten Text findet Ihr hier. Hier könnt Ihr auch gleich Eure Unterstützung kundtun, indem Ihr unterzeichnet.
Weitere Infos zum Gängeviertel findet Ihr hier und bei Facebook.

Doch zurück zur aktuellen Ausstellung: verdammt geile Bilder da! Ich habe mich extrem an das Saarbrücker Silo und die Kunstszene dort erinnert gefühlt. Meine Favoriten:

Corina Ernst

Corina Ernst

Corina Ernst

Corina Ernst

Michael Heering

Michael Heering

Michael Heering

Michael Heering

Der Himmel gehört den Männern

Als Beraterin bin ich etwa einmal pro Monat über den Wolken. Und ich kann sagen: nur Nicht-Fliegen ist schöner! Nein, ich bin wirklich kein sehr großer Freund von totalem Kontrollverlust und nach wie vor der Meinung, dass der psychische Stress des Fliegens doch wenigstens im darauffolgenden Blick aufs Meer und Cocktails am Strand münden sollte. Doch, wie man hier im Norden sagt: nützt ja nichts. Zumindest hat das ständige die-Republik-durchqueren den Vorteil, dass ich meine rudimentär vorhandene Flugangst mittlerweile vor lauter Starts und Landungen selbst kaum noch ernst nehmen kann.

Interessant ist die Fliegerei allemal. Und bei meinen Ausflügen ist mir eine Sache aufgefallen, der ich heute mal etwas genauer auf den Grund gehen will: Fluggäste lieben attraktive Stewardessen.
Man sagt ja, Stewardessen sollten hübsch sein, da hübsche Menschen eine beruhigende Wirkung auf andere haben. Das ist auch der Grund, warum die meisten Nachrichtensprecherinnen noch bis vor einigen Jahren ausschließlich blond waren. Blond und weiblich bedeutet: Good News. Und die Bad News wirken weniger blutig. Das lasse ich gerne mal so stehen, wenn mir auch viele Männer, die unter blonden Diven zu leiden haben,  jetzt gerne vehement widersprechen würden. Und andere, die blonde Frauen mögen, mir sagen würden, dass von Beruhigung nicht im Entferntesten die Rede sein kann.

Doch wie dem auch sei, zurück zum eigentlichen Sujet. Der Grund für überwiegend weibliche Flugbegleiter ist meiner Meinung nach bedeutend banaler, als uns die Psychologie weis machen will: Fluggäste sind Männer. Zumindest wenn man innerdeutsch, also mit der typischen Aktenkofferbrigade unterwegs ist.

Dieser rein subjektiven und unwissenschaftlichen Empfindung wollte ich heute eine ebenso unwissenschaftliche Untersuchung gegenüberstellen, ein Luxus, den man sich als privater Blogger gerne mal leisten kann. Ich habe also einfach mal die Frauen an Bord gezählt. Mein Ergebnis: 11. Zwei davon Stewardessen, fünf davon eindeutig Touristinnen. Macht also neun weibliche Passagiere, davon vier, die möglicherweise beruflich unterwegs waren. In einer fast vollen 186-Sitzer 737. Nein, ich habe überhaupt keine Ahnung von Flugzeugen, aber 175 Leute kommt für den heutigen Flug in etwa hin, sag ich mal. Auf jeden Fall gebe ich bei den Jungs etwa 15 von ihnen Touristenstatus, der Rest war businessmäßig unterwegs. Den vier Frauen, die im Auftrag des Herrn Chefs unterwegs waren, standen also 151 Geschäftsmänner gegenüber. Macht, fix im Kopf erreichnet, circa 2.6 % Frauen.

Beruflich im Flieger unterwegs sind überwiegend Führungskräfte.

War Photographer (Christian Frei, 2001)

War Photographer von Christian Frei ist ein eindringlicher, atemberaubender und distanzloser Dokumentarfilm über James Nachtwey, einen der berühmtesten und besten Kriegsfotografen unserer Zeit. War Photographer ist keine leichte Unterhaltung. Vielmehr tut es weh, diesem menschenverachtenden und sinnlosen Treiben zuzusehen.

Wenn man heute die Nachrichten aus dem Gaza-Streifen hört, dann nimmt man sie kaum noch wahr, so sehr ist man an den Krieg dort gewöhnt. Ein Effekt, den War Photographer bekämpft – hier hat man als Zuschauer keine andere Wahl, als sich der Tatsache zu stellen, dass Krieg nie, unter absolut gar keinen Umständen, ein gerechtfertigtes Mittel ist. Und wem das jetzt zu naiv und zu pazifistisch klingt – schaut Euch den Film an und nennt danach auch nur einen Grund, der all dieses Elend rechtfertigt.

Meine Hommage an War Photographer und die Arbeit von James Nachtwey: