…mit der x-fachen Fläche des Saarlandes…

Saarschleife

Saarschleife

Das Saarland – bekannt aus Funk & Fernsehen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die Größe eines Waldbrandes oder eines Gebietes, das einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist, mit der Größe des Saarlandes verglichen wird. Ja, das Saarland ist überschaubar, aber es hat doch einiges zu bieten, woran man sein Herz verlieren kann. Einkaufen in Frankreich zum Beispiel gehört dazu: wenn man sich was Gutes tun will, fährt man 10 Minuten über die Grenze und belädt das Auto mit tollem Rotwein und Austern, die hier für’n Appel und’n Ei zu kriegen sind. Herzliche Menschen – die Nähe zu Frankreich führt dazu, dass wir uns hier alle mit Küsschen begrüßen (und beim Treffen auf Nordlichter darauf achten müssen, diese nicht unbedarft zu küssen und damit zu Tode zu erschrecken). Doch nicht nur das ist herzlich und ungezwungen: der Saarländer an sich ist ein erfrischend relaxter Zeitgenosse. Wenn man im Sommer durchs Nauwieser Viertel streift, könnte man meinen, man flaniere durch ein Städtchen am Mittelmeer.

Doch leider ist das Saarland auch ein Abwanderungsgebiet: man studiert an der Universität des Saarlandes und sobald man fertig ist, weiß man nicht mehr wohin. Bzw. man weiß nicht wohin, wenn man im Saarland bleiben will. Jobmäßig geht hier wirklich so gut wie gar nichts. Und das ist verdammt traurig. Bemerkbar macht sich das schon im Nachtleben: das Saarbrücker Nachtleben ist völlig in Ordnung und unterhaltsam, solange man unter 30 ist. Wenn diese Grenze aber überschritten wurde wird einem gewahr, dass man in Kneipen und Diskotheken nur noch von Menschen umgeben ist, die halb so alt sind wie man selbst (und dabei gibt es unfassbar viele Kneipen in Saarbrücken!). Wo sind die anderen Altersgenossen? Antworten gibt es viele: Berlin, München, Hamburg, Frankfurt – nur eben nicht im Saarland. Und das ist verdammt schade.

Mir geht’s genauso. In wenigen Wochen werde ich meine Zelte in Hamburg aufschlagen. Grund genug, einmal einen Blick auf das Saarland zu werfen und darauf, was mir persönlich am allermeisten fehlen wird.

Der Firat Döner: Unser Nachbar, der an sechs Tagen die Woche gefühlte 24 Stunden lang Menschen mit Döner und ähnlichen Köstlichkeiten glücklich macht. Dabei zieht der Duft des guten Grillfleisches über unseren Evita-Balkon ins Wohnzimmer, was Diäten ausgesprochen lästig werden lässt. Flüchtet man in den hinteren Teil der Wohnung bringt das gerade im Sommer reichlich wenig. Der Blick von unserem zweiten Balkon (ja, solche Wohnungen gibts auch günstig im Saarland!) führt auf diverse Hinterhöfe, einer davon gehört zu Firats Familie. Die sitzen gerne in einer Runde zusammen, lassen Nüsse knacken und grillen ohne eine Pause. Lecker, lecker, lecker… und wunderbar mit anzusehen. Ihr werdet mir fehlen, definitiv.

Bereits erwähnt: das Nauwieser Viertel
Noch nicht gänzlich der Gentrifizierung zum Opfer gefallen ist das Nauwieser Viertel nach wie vor ein Sammelsurium von Kuriositäten, gemütlichen Kneipen, schrägen Läden und außergewöhnlichen Leuten. Mehr zum Viertel könnt Ihr bei Ela nachlesen – so liebevoll ihr Blog das Viertel behandelt, so wohl fühlt man sich in dieser Gegend, die unter saarländischen Landeiern gerne noch als das böse Drogenviertel des Saarlandes gehandelt wird.

Schwenker – klar, das darf nicht fehlen. Der Saarländer schwenkt. Und schwenkt. Und schwenkt. Und er tut gut daran. Für alle Nichtsaarländer, die mit diesem Ausdruck nichts anfangen können: wir bereiten im Akkord, sobald die Sonne sich zeigt, Grillgut auf einem Schwenkgrill zu. Trinken Unmengen von kaltem Bier und bleiben gerne bis morgens im Hinterhof / auf dem Balkon des Schwenkmeisters sitzen, um die Reste des Salats zu vertilgen und einfach verdammt viel Spaß zu haben.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären: die Freunde. Eigentlich möchte ich gar nicht darüber schreiben, dass ich meine Freunde vermissen werde, denn noch verdränge ich erfolgreich die Tatsache, dass bald einige hundert Kilometer zwischen uns liegen werden. Doch das Wunderbarste, was mir im Saarland passiert ist (neben der Tatsache, dass ich den Mann fürs Leben gefunden habe), sind meine Freunde, allen voran Ela, Rouven, Erhat und Daniel. Verrückt, die meisten von Euch kenne ich jetzt seit über 10 Jahren und Ihr seid so sehr ein Teil von mir, dass ich mich, wie gesagt, heute einfach noch nicht verabschieden werde. Nein. Ich melde mich bald wieder. Versprochen.

4 Comments

Kid MaliciousOktober 24th, 2009 at 19:49

So!
Jetzt kann ich heute abend nicht mit Hecht essen, weil ich eins der neuen
Babys besuche (im Angebot: Anna, Moritz und Matteo) und bin ein bissl traurig,
weil es eine verpasste Gelegenheit ist, dich vor der Abreise zu sehen. Gott sei
dank ist sicher bald Freitag…

AstridOktober 24th, 2009 at 19:50

Aber danke für Deinen Kommentar – wirst heute abend fehlen, aber bald sehen wir
uns!!

BiancaOktober 24th, 2009 at 19:50

Hallo Astrid,

heute bin ich per Zufall über Deinen Blog Nerd in Skirt
gestolpert und war begeistert, endlich mal “ein Mädel” gefunden zu
haben, die noch Webvernarrter ist als ich! Riesig dann die Überraschung, dass
wir nicht weit auseinander wohnen und umso enttäuschter hier zu lesen, dass Du
weg gehst. Aber so ist das mit der Liebe: Mich hat sie aus Karlsruhe nach
Saarbrücken geführt :-)
Dir alles, alles Gute!!
LG
Bianca

AstridOktober 24th, 2009 at 19:52

Liebe Bianca! Vielen Dank für den netten Kommentar – und da das Saarland so
klein ist, noch eine Überraschung: bei Deinem Arbeitgeber hatte ich mich auch
mal beworben ;-)
Allerdings verschlägt mich nicht die Liebe zu meinem Schatz
nach Hamburg, sondern die Liebe zu SEO – und mein Schatz teilt zum Glück die
Begeisterung für den hohen Norden, also passt das! Ich wünsch Dir alles Gute
und sicherlich laufen wir uns trotzdem mal über die Füße – wir Onliner-Frauen
sind so eine überschaubare Menge, irgendwann treffen wir uns alle ;-)

Kommentar hinterlassen

Dein Kommentar