Saarland-Wahl: wer menschelt, gewinnt

Regionalpolitiker sind wirklich nicht zu beneiden. Auf der einen Seite sollten die Regierenden natürlich intelligent sein, denn wichtige Entscheidungen fordern clevere Entscheider. Auf der anderen Seite aber ist es immens wichtig, dass der Kandidat im Biertrinken geübt ist (Peter Müller), bei Saufliedern mitgrölen kann (Peter Müller), in der Blaskapelle mitspielt (Peter Müller) und das Bad in der Menge genießt (Peter Müller). Wer all das nicht kann, hat schlechte Karten. Natürlich kann es auch von Vorteil sein, wenn man gut aussieht (Heiko Maas), doch ob das ausreicht, um Herzen zu erobern, ist fraglich.

Bei Spiegel Online habe ich heute ein entwaffnendes und erschreckendes Video gefunden, dass sich mit exakt diesem Thema befasst:

Wer selbstredend überhaupt nicht auftaucht, ist die FDP. Denn die hat das Menscheln noch nie gekonnt und wird es auch nicht. Die FDP ist keine Partei “fürs Volk”. Die Frage ist aber doch: wer ist das Volk? Ist das wirklich nur die Blaskapelle vom Gau?

Doch zurück zu den Gesichtern dieses Wahlkampfes, denn eins ist sicher: gewählt werden Personen. Vielleicht noch Tendenzen, vielleicht noch Emotionen, aber mit Sicherheit keine 100seitigen Parteiprogramme.

Da wir gerade bei der FDP sind: im Saarland heißt sie Dr. Christoph Hartmann. Der Doktortitel ist hier unverzichtbar, wird er doch auf den FDP-Wahlplakaten immer wieder erwähnt. Kein kluger Schachzug der FDP, das steht außer Frage. Doktoren mag man nicht. Wer sich seinen Doktortitel noch aufs Wahlplakat schreibt, wirkt abgehoben und arrogant in seinem Elfenbeinturm. Ob es jedoch hilfreich ist, wie Heiko Maas verloren neben dem Fassanstich zu stehen, den Peter Müller wie immer für sich entscheidet, ist eine andere Frage.

Der eigentliche Casus Knaxus

In Wahrheit geht es bei der Saarlandwahl zu 80% um eine ganz bestimmte Person. Als Exil-Saarländerin wird mir immer die gleiche Frage gestellt, sobald ich mich außerhalb des Saarlandes bewege: “Kennen Sie den Oskar?” Ja, ich kenne ihn. Live erleben durfte ich Oskar Lafontaines rhetorische Trickkiste beim Studentenstreik 1997 und ich blicke heute nicht ganz ohne Sorge auf meine ehemalige Heimat. Wer Oskar mal reden gehört hat weiß, wovon ich spreche. Dass die Linke ihn duldet, liegt an seinem atemberaubenden Talent, Bauern zu fangen. Mal sehen, wieviele sich fangen lassen…

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