Blick aus dem Fenster – Fallout

Blick aus dem FensterVor nicht allzu langer Zeit habe ich noch in romantisierend-verklärter Art und Weise über die Renovierung unseres Hauses geschrieben. Nun, die Romantik endet abrupt, wenn man mal einen Blick aus dem Fenster wirft. Der Zorn über diesen Zustand wird aber erst dann groß genug, um darüber zu bloggen, wenn Folgendes passiert:

1. Nach einer harten Arbeitswoche erwacht man Samstags morgens vom Getöse einer Bohrmaschine, das direkt vor dem Schlafzimmerfenster lokalisiert werden kann.
2. Man schlurft in die Küche, um sich einen Kaffee zu kochen und ein Glas Wasser für die Kopfschmerztabletten zu besorgen.
3. Vor dem Fenster im dritten Stock steht man im Bademantel einem wildfremden Mann gegenüber, der in die Küche schaut.
4. Man bittet dieses Mann darum, zumindest am Samstag die Ruhezeit zwischen 12 und 14 Uhr einzuhalten.
5. Der Mann lacht und fragt: “Ei, wolle Sie jetzt noch schloofe??”

Und dann ist es passiert. Das Good Cop, Bad Cop-Prinzip haben mein Schatz und ich ja schon perfektioniert. Ich bin sehr froh, dass mein Liebster ein durchaus geduldiger und ruhiger Mensch ist. Denn ich bin das nicht. Kurze Background-Information: die Woche war verdammt hart. Ich hatte pro Nacht zwischen 4 und 5 Stunden Schlaf. Das ist oft so. Die einzige Überlebenschance, die mir bleibt, sind 10 bis 12 Stunden Schlaf von Freitag auf Samstag, um die Akkus wieder halbwegs aufzuladen. Wer mir das verweigert, ist nicht mein Freund.

Es folgte ein kurzer und heftiger Anfall von Tourette-Syndrom, für den ich mich nicht im Geringsten entschuldigen möchte.
Mittlerweile wirkt das Aspirin und das Hintergrundgetöse wurde kognitiv in die Gesamtsituation integriert, so dass ich den Kopf halbwegs frei habe, um mir einige Gedanken zu diesem Zustand zu machen. Zunächst: dass ein Haus mal renoviert werden muss, steht außer Frage. Dass man als Mieter dafür Verständnis aufbringt – klar. Dass man als geduldiger Mieter die Mängel, die innerhalb der Wohnung weiter bestehen bleiben, solange nur das Äußere auf Vordermann gebracht wird – naiv und blöd, aber okay. Man akzeptiert also die Tatsache, dass man die Heizung nur auf kalt oder sehr heiß einstellen kann, dass man in der Wand unter dem Bett ein Loch hat, ein weiteres Loch in der Dusche und dass die Duschkabine sich nicht mehr öffnen lässt und daher offen bleiben muss (bevor mir das klar war, kam ich zweimal fast zu spät zur Arbeit, da ich nicht mehr aus der Dusche rauskam. Eine kalte und ärgerliche Situation. Und jeder, der mich morgens kennt weiß, dass ich zu dieser Tageszeit keinerlei Spaß verstehe).
Was ich allerdings nie verstehen werde ist: warum gehen Vermieter mit solchen Ausnahmesituationen so ungeschickt um? Ich bin doch als Mieter schlicht und ergreifend ein Kunde. Und auf dem Wohnungsmarkt in Saarbrücken sitzen die Mieter, was Angebot und Nachfrage angeht, eindeutig am längeren Hebel. Warum also nicht eine kleine Informationsrunde für alle Mieter, bevor die Arbeiten beginnen? Ein paar Euro von der Miete weg, solange man im Dreck sitzen muss? Eine GUTE Flasche Wein als Entschädigung? Einfach: kleine Zeichen von gutem Willen, mehr nicht.
Ich würde das als Vermieter so machen. Denn der Wohnungsmarkt ist nunmal ein Markt wie jeder andere auch. Wenn das hier zu beschissen wird, ist man als Mieter eben weg. So einfach ist das. Ein bisschen Verständnis dafür, dass man als Mieter von so einem Zustand genervt ist, wäre angebracht. Mehr Zuvorkommen bei der Behebung von kleineren Mängeln. Wenn das alles passieren würde, könnte ich akzeptieren, dass ich im Moment vor jedem Business-Termin zehn Minuten mehr einplanen muss. Solange braucht man, um im guten Hosenanzug durch das Treppenhaus zu kommen. Denn die kleinste Berührung des Stoffes mit dem Geländer oder der Wand kontaminiert den Anzug.
Zur Renovierung kann ich nur sagen: ich freue mich wahnsinnig auf den Day after.

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