Laufen im Herbst

Im Herbst laufen gehen hat ein ganz besonderes Flair.

Dafür gibt es viele Gründe: zum einen ist das klassische Rocky-Balboa-Feeling natürlich viel stärker. Der Kaputzensweater wird ausgegraben (und er sollte verdammt alt aussehen!), die Mütze kommt auf den Kopf und man fühlt sich schon in dem Moment, in dem man sich für den Lauf draußen zurechtmacht, wie ein Kämpfer.
Die Natur ist atemberaubend schön. Man kann über den Herbst sagen, was man will, dem Sommer nachtrauern und auf die Kälte schimpfen, aber der Wald präsentiert sich zu dieser Jahreszeit in einer unwirklich anmutenden Schönheit.
Die Luft ist klar. Die Gründe dafür, dass Menschen sich quälen und laufen, ohne ein konkretes Ziel erreichen zu wollen, sind zahlreich und von Läufer zu Läufer unterschiedlich. Ich persönlich will einfach den Kopf frei kriegen. Und diesen Moment erleben, indem das geradeaus starren dazu führt, keinen Schmerz mehr zu spüren, nichts mehr zu wollen und nicht mehr kämpfen zu müssen. Einfach laufen. Manchmal klappt das. Und die klare Luft im Herbst hilft dabei.
Wir sind unter uns. Der Sommer ist vorbei, die Schönwetter-Läufer sind zuhause. Wer sich jetzt noch durch Regen und Wind kämpft, folgt einem Ziel. Das vereint. Natürlich lächelt man sich beim Laufen nicht gegenseitig zu, das zerstört die Attitüde des leidenden und verdammt harten Einzelkämpfers, aber im Innern wissen wir doch, dass wir alle die gleiche Macke haben.
Den Rest der Strecke langsam gehen, is nich. Der Moment, der richtig weh tut, ist jetzt noch gnadenloser. Denn Entschuldigungen, die man sich selbst serviert, ziehen nicht mehr. Wer jetzt langsam wird oder sogar ins Gehen verfällt, kühlt aus. Und zwar merklich.
Im Herbst laufen gehen – ich liebe es.

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