Yo isch kann

Virales Marketing funktioniert – und ich mache mit. Auch, da mich die aktuelle “Diskussion” um den SPD-Kandidaten Schäfer-Gümbel im Hinblick auf den Sexismus in der deutschen Politik etwas beruhigt. Während sich noch vor kurzer Zeit lediglich Frauen für ihre Frisur oder ihr Make-up entschuldigen mussten (außer natürlich Roland Koch, aber das ist eine ganz natürliche Sache) und bei weiblichen Politikerinnen gerne der Doktortitel vor dem Nachnamen regelmäßig verschwiegen wurde, muss sich nun Schäfer-Gümbel damit herumschlagen, dass er die falsche Brille zur falschen Zeit trägt und sein Kinn eindeutig die falsche Form hat. Doch Gümbel geht überraschend gut damit um. Auch wenn nicht viel Mut dazu gehört, Roland Koch zu einem Schönheitswettbewerb herauszufordern. Doch wie Spiegel online heute so schön schreibt: Gümbel hat keine Chance – aber er nutzt sie.
Natürlich ist es auch ein Zeichen von Schwäche, dass Schäfer-Gümbel sich bei seiner Heirat einen Doppelnamen zugelegt hat. Soweit sind wir nun auch wieder nicht, dass wir es akzeptieren könnten, dass ein Mann den Namen seiner Frau annimmt. Weichei, klar. Doch hierüber zu diskutieren würde bedeuten, sich in Gleichberechtigungsutopien zu verlieren, also zurück zur Kampagne.
Die “Yo isch kann”-Kampagne verdeutlicht, möglicherweise gänzlich unintendiert, die Parallelen zum amerikanischen Wahlkampf. Die öffentliche Diskussion entfernt sich zusehends von Inhalten und fokussiert auf Einzelpersonen. Und verliert sich dabei in Oberflächlichkeiten. Bessere Zeiten für Marketing- und PR-Profis trotz Wirtschaftskrise: die nächsten Wahlkämpfe in Deutschland könnten bedeutend bunter und schicker und aufwendiger werden. Mal sehen, wie bereit dieses Land für ein derartiges mediales Spektakel ist. Was die Image-Experten von Frau Dr. Gabriele Pauli, die leider schnell völlig den Überblick verloren hat, lernen können: für Lack und Leder ist Deutschland noch lange nicht bereit. Für mehr Umsatz bei Udo Walz allerdings schon.

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